Allgemeines Grundsätzlich kann die Operation in örtlicher Betäubung (Lokalanästhesie), in Regionalanästhesie und in allgemeiner (Voll-) Narkose erfolgen. Wir bevorzugen die Durchführung der Operation in Allgemeiner Narkose, da dieses Vorgehen für den Patienten eine deutlich besseren Komfort und Schmerzfreiheit bietet. Wir wählen das Verfahren nach Shouldice bei jungen Patienten mit guter Muskulatur und kleinen Brüchen, die maximal eine Bruchlücke von 1,5 cm aufweisen. Das Verfahren eignet sich nicht für die Versorgung im Falle eines Rückfalls (Rezidiv). Operation Nach Desinfektion und steriler Abdeckung des Operationsgebietes erfolgt der Zugang zur Leistenmuskulatur und dem inneren Leistenring entweder über einen Schrägschnitt oder in manchen Fällen kosmetisch günstiger über einen quer- verlaufenden Hautschnitt. Die Schnittlänge hängt ab von der Größe des Bruches und dem Gewicht des Patienten und beträgt zwischen 5 cm und maximal 10 cm. Anschließend erfolgt die Durchtrennung des Fettgewebes und einer dünnen Bindegewebsstruktur, die Externus-Aponeurose genannt wird. Der so genannte Bruchsack (bei indirekter Hernie) wird aufgesucht, dieser entsteht durch Dehnung des Bauchfells. Dieser wird freipräpariert, eröffnet, an der Basis mit Naht ver- schlossen und entfernt. Der nächste Schritt ist die Stabilisierung der “Hinterwand” der Leiste, hierzu wird diese (Faszia transversalis) längs eröffnet und mit einer von Shouldice entwickelten fortlaufende Nahttechnik gedoppelt. Hierzu verwendet man nicht auflösbares Nahtmaterial. Die Nahtreihe wird an der Knochenhaut des Schambeines fixiert, um an dieser Stelle Rückfälle zu vermeiden. Schicht für Schicht werden nun die Muskeln am Leistenband fixiert. Die Externusaponeurose wird ebenfalls mittels Naht verschlossen. Bei Blutungstendenz im Operationsgebiet wird für 24-48 Std. eine Saugdrainage eingelegt. Das Fettgewebe wird mittels Naht adaptiert, die Haut mit einer feinen intrakutanen Naht verschlossen, diese ist resorbierbar, löst sich also von selbst auf, ein “Ziehen” von Fäden ist daher in der Regel nicht erforderlich. Es handelt sich bei der Operation nach Shouldice also um ein mehrschichtiges Nahtverfahren um die Faszien und die Muskulatur zu straffen und zu stabilisieren. Schematische Darstellung der Shouldice Operation: 1 = Naht des Bauchfells, Verschluss des Bruchsackes 2 = Dopplung des Fazia transversalis mit Befestigung an der Knochenhaut des Schambeins 3 = Naht der Muskulatur, Befestigung am Leistenband 4 = Naht/Rekonstruktion der Externusaponeurose und des Leistenkanals 5 = Naht des Fettgewebes 6 = Hautnaht 7 = Schambein 8 = Samenstrang Weitere Informationen und Details unter Nach der Operation In der Phase nach der Operation ist eine medikamentöse Schmerztherapie meist für 5 - 7 Tage erforderlich. Die Schmerzen entstehen einerseits durch die Straffung des Gewebes andererseits durch den Schnitt in der Haut (Wundschmerz). Die Schmerzen sind allerdings nicht stark, einfache Schmerzmittel, die von uns rezeptiert werden (wie z. B. Ibuprofen), reichen in der Regel aus. Eine Vorbeugung gegen Thrombose (Thrombosespritzen und Kompressionsstrümpfe) ist in der Regel für 5 Tage erforderlich, eine Stuhlregulation mit leichten Abführmitteln kann ebenfalls notwendig werden, um festen Pressen nach der Operation zu vermeiden. Duschen ist normalerweise ab dem 3. Tag nach der Operation wieder möglich. Die Arbeitsfähigkeit ist in der Regal nach 3-4 Wochen wieder möglich, allerdings mit einer Einschränkung: Dieses Operationsverfahren erfordert eine Schonung der Bauchmuskulatur für ca. 3 Monate, in den ersten zwei Wochen sollten nicht mehr als 10 kg gehoben werden, innerhalb der ersten drei Monate nicht mehr als 30 kg. Auto fahren, Intimverkehr und Sport sollten erst wieder bei vollkommener Schmerzfreiheit begonnen werden, die “Freigabe” für die Aktivitäten erfolgt je nach Wundheilung und Befund bei den Nachuntersuchungen in unserer Praxis. Unser Informationsblatt für das Verhalten nach Leistenbruchoperationen können sie hier herunterladen:   Ergebnisse der Shouldice Operation: Die Rückfallquote ist abhängig von der Größe des Bruches, in den derzeit vorliegenden Studien wird eine Rückfallquote von 1 - 2,3% bei kleineren Brüchen (unter 3 cm) und eine Quote von 5 - 15% bei größeren Brüchen angegeben. Die Rückfallquote ist aber auch altersabhängig, daher empfiehlt die Europäische Herniengesellschaft die Implantation eines Kunststoffnetzes (s. OP nach Lichtenstein) bereits ab dem 18. Lebensjahr. Komplikationen: Selten entstehen nach der Operation Infektionen der Wunde. Ebenso selten finden sich Blutergüsse und Ansammlungen von Wundwasser (Serome) unter der Wunde. Letztere können meist durch die Haut mit einer schmerzarmen Punktion abpunktiert werden. Stauungen der Blutgefäße des Samenstranges sind ebenfalls selten. Große Probleme bei der offenen Leistenbruchoperation bereiten die Hautnerven, die durch die Leistenregion ziehen. Diese sind für das Empfinden von Berührung und Schmerz im Bereich des Schambeines und des Hodensackes verantwortlich. Bei Irritation dieser Nerven durch die Operation und die anschließende Narben- bildung können chronische Schmerzen entstehen. Ebenso kann die notwendige Verankerung der Naht an der Knochenhaut des Schambeines zu chronischen Schmerzen führen. Die neueren Studien zum chronischen Schmerz nach Leisten- bruchoperation zeigen, dass diese unangenehme Komplikation nicht selten ist. Bis zu 10% der Patienten können nach Leistenbruchoperationen diesen chronischen Schmerz entwickeln. Die Behandlung erfolgt mit Schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten, sowie durch Infiltration (Unterspritzung) der Schmerzzone mit örtlichen Betäubungs- mitteln. In vielen Fällen lassen sich damit auf Dauer die chronischen Schmerzen beseitigen. In seltenen Fällen muss durch eine zweite Operation der verantwortliche Nerv durchtrennt werden. Es resultiert ein Taubheitsgefühl im Bereich des Scham- beines und des Hodensackes. In manchen Fällen wird bei der Leistenbruchoperation der Nerv schon durchtrennt, wenn dieser verdickt und gereizt ist, um ein chronisches Schmerzsyndrom zu verhindern. Qualitätssicherung: Zur Sicherung der Qualität unserer Operationen und zur Überprüfung der Ergebnisse sind wir an der Deutschland weiten Qualitätsstudie Herniamed beteiligt.
© Dr. med. J. Ladra 2013
Bruchsack eines Leistenbruches mit begleitendem Fettgewebe (sogenanntes präperitoneales Lipom)
Bruchsack nach abpräparieren des Fettgewebes
      Leistenbruch - Leistenhernie - Schenkelhernie: Methode nach Shouldice
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