Allgemeines Eine Fistel ist eine unnatürliche, röhrenförmige Verbindung zwischen inneren Organen zu anderen Organen oder zur äußeren Körperoberfläche. Fisteln haben häufig ihren Ursprung im Darm. Entzündliche Prozesse in allen Teilen des Darmes können unnatürliche Verbindungen mit der Haut oder anderen Organen zur Folge haben. Sehr komplizierte Fisteln finden sich zwischen Enddarm und Scheide bei der Frau (Rektovaginale Fistel) z.  B. als Folge von Entzündungen und Geburtsverletzungen. Fisteln könne aber auch in Folge von Darmoperationen entstehen. Die Behandlung dieser Fisteln erfolgt in der Regel operativ, es sind häufig sehr komplizierte Verfahren, die zur Therapie angewendet werden müssen. Analfistel und perianaler Abszess Analfisteln haben ihren Ursprung am Übergang von der Schleimhaut des Enddarms zur Haut des Analkanals. Dort finden sich kleine taschenartige Einziehungen, so genannte Krypten. In diese Krypten münden kleine Drüsen, die Proktodealdrüsen. Die Krypten können sich entzünden (Kryptitis), in diesem Fall können sich Gänge ausbilden, die Teile des Schließmuskels oder die ganze Muskulatur mit der Zeit durchbrechen. Da der Enddarm mit Bakterien besiedelt ist, breitet sich die Entzündung immer weiter aus, bis sich irgendwo im Analbereich unter der Haut ein schmerzhafter Abszess bildet. Ein solcher periproktitischer (auch perianaler) Abszess muss operativ eröffnet werden um eine Überschwemmung des Körpers mit Bakterien (Blutvergiftung) zu vermeiden. Genauso wichtig wie die Eröffnung des Abszesses ist das Auffinden und die Beseitigung des zugehörigen Fistelganges, da sonst in nahezu 100 % der Fälle ein erneuter Abszess auftreten wird. Diagnostik In der Regel erkennt der erfahrene Proktologe das Krank- heitsbild auf den ersten Blick. Eine schmerzhafte Schwellung neben dem After entspricht dem Abszess, die inneren Öffnungen der Fistelgänge finden sich häufig hinten bei 6°° Uhr, vorne bei 11°°, 12°° uns 1°° Uhr. In komplizierten Fällen kann eine Sonographie des Anal- kanals (Endo-anale Sonographie) die Diagnose sichern. In seltenen Fällen ist ein Magnet-Resonanz Tomogramm (MRT) des “kleinen” Beckens erforderlich. Therapie Die operative Therapie gestaltet sich sehr unterschiedlich. Sind nur kleine Teile des Schließmuskels betroffen, wird die Fistel mit einem Farbstoff oder Wasserstoff- peroxid markiert, mit einer Metallsonde verfolgt und anschließend komplett eröffnet (Analfistelspaltung). Umgreift die Fistel aber größere Anteile des Schließmuskels, würde ein solches Vorgehen unweigerlich (oft erst nach Jahren) eine Stuhlinkontinenz zur Folge haben. In diesen Fällen wird in den Fistelgang ein Faden (Seide oder Kunststoff) eingelegt, damit der Gang über einen Zeitraum von 8 – 12 Wochen vernarbt (Fadendrainage). Dann wird in einer zweiten Operation der Gang entfernt und aus der Muskulatur herauspräpariert (Fistulektomie). Die innere Öffnung im Enddarm wird mit einem kleinen plastisch-chirurgischen Eingriff (Mucosal-Advancement Flap) verschlossen. Eine weitere Methode ist das Ausschneiden der Fistel unter Durchtrennung des Schließmuskels, der anschließend sofort wieder vernäht wird (Sofortrekonstruktion). Eine relativ moderne Methode ist der Verschluss der Fistel mit einem “Korken” aus speziell aufbereiteter Dünndarm- schleimhaut des Schweines. Dieser Anal fistula plug wird von innen nach außen in den Fistelgang hineingezogen, mit Fäden festgenäht und die innere Fistelöffnung verschlossen. Alle Verfahren, auch der Anal fistula plug, haben eines gemeinsam: Eine hohe Rückfallquote, wenn die innere Öffnung der Analfistel nicht verschlossen ist. Die Behandlung von Analfisteln kann daher sehr lange dauern und manchmal mehrere Operationen erfordern, um die betroffene Schließmuskulatur möglichst zu schonen.  Besonders schwierig ist die Fistelbehandlung bei Patienten mit so genannten Chronisch Entzündlichen Darmerkrankungen, wie z. B. beim Morbus Crohn. Nach der Operation Die Nachbehandlung erfolgt offen, dass heißt in der Regel wird die Wunde nicht vernäht und muss von innen nach außen abheilen. Schmerzmedikamente, schmerzlindernde und wundreinigende Salben, Sitzbäder und regelmäßiges Ausduschen der Wunde führt nach einem Zeitraum von 4 - 12 Wochen zur Abheilung. Es verbleibt eine flache und häufig sehr schmale Narbe.
Typische Analfistel bei 11°° Uhr in Steinschnittlage, innere Fistel- öffnung ebenfalls bei 12°° Uhr  
Gleiche Fistel, ein Kunststoff- faden ist eingelegt.    
© Dr. med. J. Ladra 2013
Impressum
      Analfistel und perianaler Abszess (vereinfachte Darstellung)
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