Blinddarmentzündung/Appendicitis Therapie (vereinfachte Darstellung) Die Therapie einer akuten Blinddarmentzündung ist die Operation, um einen Durchbruch (Perforation) mit einer Ausbreitung von Darmkeimen im Bauchraum und eine darauf folgende Entzündung der Bauchfells (Peritonitis) zu verhindern. Bei leichten Fällen, wenn die Diagnostik (s. Grundlagen) erfolgt ist, kann man abwarten und die Befunde innerhalb von 24 Stunden ambulant kontrollieren. Ob eine Therapie mit Antibiotika eine Blinddarmentzündung zur Abheilung bringt, bleibt umstritten. In Zweifelsfällen, wenn nur leichte Schmerzen vorliegen, die Entzündungswerte nur leicht verändert sind und der Ultraschallbefund nicht eindeutig ist, sollte die Überwachung stationär erfolgen. Es gibt bei der Appendicitis akute Verläufe, die innerhalb von wenigen Stunden zu einer Befundverschlechterung führen. Die stationäre Überwachung garantiert dann die rechtzeitige Operation (ggf. auch in der Nacht). Oberstes Qualitätsziel ist die rechtzeitige Operation (vermeiden von Bauchfellentzündung und Durchbruch) und gleichzeitig die Vermeidung unnötiger Blinddarmentfernungen (negative Appendektomie). Grundsätzlich gibt es zwei Operationsverfahren, um den Wurmfortsatz zu entfernen. Den “Leibschnitt” im rechten Unterbauch und das laparoskopische Verfahren (Minimal Invasiv). Während der Vorteil der Minimal Invasiven Gallenblasenentfernung unumstritten ist, wird der Vorteil der “Knopflochtechnik” bei der Blinddarmoperation heftig diskutiert. Die Schmerzen nach der Operation sind bei beiden Methoden gleich, die Komplikationsrate ebenso. Allerdings verursacht das “Knopflochverfahren” deutlich höhere Kosten für die Klinik. Wir bevorzugen trotzdem das Minimal Invasive Verfahren und zwar auf folgenden Gründen: 1.) Mit der Videotechnik hat man eine bessere Übersicht über den gesamten Bauchraum, bei weiblichen Patienten können z. B. Erkrankungen der Eierstöcke (Cysten, Entzündungen) besser diagnostiziert und ggf. therapiert werden. Diese Übersicht ist bei der “alten” Methode deutlich eingeschränkt. 2.) Die Minimal Invasive Technik ermöglicht auch eine komplikationsarme Entfernung des Wurmfortsatzes, wenn dieser nicht an typischer Stelle liegt. Bei der “Leibschnitt” Methode muss unter Umständen der Schnitt deutlich erweitert werden, um die Operation erfolgreich durchzuführen. 3.) Bei der “alten” Methode entstehen im Bauchraum überdurchschnittlich häufig Verwachsungen (siehe unter Verwachsungen Adhäsionen) und Narbenstränge im Bauchraum. Diese können noch Jahrzehnte nach der Blinddarmentfernung zu einem Darmverschluss führen. Die genaue Prozentzahl dieser sehr späten Komplikation einer Appendektomie ist derzeit nicht bekannt. Die meisten (leider älteren) Studien geben eine Quote von 4% an. Bei der Minimal Invasiven Methode scheint diese Spätkomplikation deutlich seltener vorzukommen. Leider liegen dafür keine Zahlen aus Studien vor. 4.) Die “Leibschnitt” Methode erfordert eine körperliche Schonung, damit sich die Muskulatur wieder stabilisieren kann. Bei der laparoskopischen Methode ist dies nicht erforderlich. Auch das auseinanderweichen der Bauchdecke (Narbenbruch) ist bei der Minimal Invasiven Methode selten. Wir operieren nach einer Methode, die im Jahr 1991 von Prof. Dr. Klaus Jaeger und Dr. med. Jürgen Ladra entwickelt und in der Zeitschrift “Endo-Trends” im Jahr 1992 veröffentlicht wurde (Zeichnungen aus der Veröffentlichung). Der Wurmfortsatz wird gefasst und am Übergang zum Dickdarm eine kleines Loch aufpräpariert. Anschließend wird die Appendix an der Basis zwischen Metallclips durchtrennt. Der “Stumpf” des Wurmfortsatzes wird durch eine Schlinge (sogenannte Roeder- Schlinge - funktioniert im Prinzip wie ein Lasso) zusätzlich gesichert. Die Appendix wird anschließend durch eine zweite Schlinge durchgezogen, mit dieser werden die Blutgefäße, die den Wurmfort- satz versorgen, verschlossen. Der Wurmfortsatz wird nun abgetrennt und über einen Trokar geborgen. Diese Technik nutzen wir aktuell nur dann, wenn die Basis des Wurmfortsatzes nicht mit entzündet ist. Alternativ benutzen wir bei entzündeter Basis ein Klammergerät, einen sogenannten Stapler (gesprochen steipler = englisch für Hefter, Tacker). Dieses Gerät setzt auf beiden Seiten des Gewebes Klammern, um das Gewebe zu verschließen. Dazwischen wird das auf beiden Seiten geschlossene Gewebe mit einem Messer durchtrennt. In der Regel benötigen wir 3 kleine Schnitte in der Bauchdecke (einen unterhalb des Nabels, einen im linken Unterbauch, einen im linken Mittelbauch oder im rechten Unterbauch). Auf eine Drainage kann im Normalfall verzichtet werden, bei stärkeren Entzündungen wird eine solche für maximal 48 Stunden eingelegt. Die Nahrungsaufnahme beginnt zügig nach der Operation, in der Regel erfolgt die Entlassung am 3. Tag nach der Operation, die Fäden werden im Rahmen einer Nachuntersuchung ca. 10 Tage nach der Operation in unserer Ambulanz entfernt. Eine körperliche Schonung für ca. 14 Tage nach der Operation ist empfehlenswert. Komplikationen der Operation: Die Wechselquote zum offenen Verfahren beträgt unter 4%. In ganz seltenen Fällen muss ein großer Bauchschnitt erfolgen, wenn die Entzündung auf den unteren Teil des Dickdarms über- gegriffen hat. Die Komplikationsrate der laparoskopischen Appendektomie liegt unter 5%. Nachblutungen, Entzündungen im Bereich des Bauchraumes und der Narben können vorkommen. Selten muss eine Nachoperation erfolgen. Todesfälle nach einer Blinddarmentfernung sind heutzutage extrem selten und meist Folge der Begleiterkrankungen des Patienten. Die Komplikationsrate steigt, wenn starke Entzündungen oder Vernarbungen vorliegen und/oder bei Notfalloperationen. Das Leben ohne Blinddarm: Die Funktion des Wurmfortsatzes ist nicht genau bekannt. Laut einer amerikanischen Studie dient die Appendix als Abwehrorgan und “Rückzugsgebiet” für Darmbakterien. Gesundheits- störungen durch das Fehlen des Wurmfortsatzes sind nicht bekannt.
© Dr. med. J. Ladra 2013
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